Schwangerschaft & Stillzeit

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Das stürmische Wachstum lässt auch den Blutzucker steigen. Und wenn dann die Insulinproduktion nicht Schritt hält, kommt es zur Diabetes. Etwa 2-12 Prozent der Schwangeren sind davon betroffen. Übergewicht und familiäre Veranlagung erhöhen das Risiko. Wird Diabetes nicht behandelt, droht eine Frühgeburt und Ihr Kind wird später eher übergewichtig und Diabetiker. Deshalb ist eine ärztliche Früherkennung in Form eines Glukosetoleranztests im ersten Trimester der Schwangerschaft sinnvoll. Die beste Therapie ist körperliche Bewegung und eine vollwertige Ernährung. Meiden Sie Zuckriges und Weißmehlgebäck bzw. Fertigprodukte. Vor allem keine süßen Getränke, auch kein Saft. Kontrollieren Sie Ihre Zunahme.

Was ist der orale Glukosetoleranztest (oGTT)?

Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche sollte ein Suchtest durchgeführt und in der 32. bis 34. Schwangerschaftswoche wiederholt werden. Der oGTT liefert Hinweise auf die Fähigkeit des Körpers, den Blutzucker in einer bestimmten Zeit in die Zellen zu befördern. Nüchtern wird der erste Blutzuckerwert gemessen. Anschließend wird eine Glukoselösung getrunken. Danach werden die Blutzuckerwerte gemessen.  
Normwerte Blutzucker:
Nüchtern 80-100 mg/dl
Nach 2 Stunden 130 mg/dl
Gestörte Glucosetoleranz:
Blutzucker > 140-199 mg/dl = Verdacht auf Diabetes.

Was ist Präeklampsie?

Früher wurde diese schwere Schwangerschaftskomplikation als Gestose bezeichnet. Bluthochdruck von über 140/90 mmHg und eine Eiweißausscheidung im Urin über 300 mg pro Tag sind Anzeichen einer Präeklampsie. Die Folge sind plötzliche, auch schon morgens auftretende Wassereinlagerungen in den Beinen, im Kopfbereich, an Armen und Händen sowie Leber- oder Nierenfunktionsstörungen. Eine Präeklampsie muss sofort behandelt werden. Auf keinen Fall entwässernde Maßnahmen ergreifen. Ausreichend, also 2-3 Liter am Tag, trinken. Nicht an Salz sparen. Reichlich Eiweißreiches wie Fisch, Milchprodukte oder Fleisch essen und viel Gemüse und Obst.

Ich leide an einer Allergie. Wird mein Baby deshalb diese Allergie auch bekommen?

Bisher konnte keinerlei Einfluss einer allergenarmen Ernährung der Mutter auf das Entstehen von Allergien beim Kind nachgewiesen werden. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Allergenmoleküle über das Fruchtwasser an den Fetus abgegeben werden können. Es kann auch Sonderfälle geben, in denen Babys tatsächlich allergisch auf Muttermilch reagieren. Das ist aber die absolute Ausnahme. Die Muttermilch mit ihren maßgeschneiderten Eigenschaften ist nach wie vor der beste Schutz vor Allergien. Doch nach dem 4. Monat kann Beikost das Stillen ergänzen. Das ist neu: Konfrontation mit kleinen Mengen aller möglichen Lebensmitteln statt Vermeidung ist heute die Devise. Zurück zur Normalität – schließlich haben immer schon stillende Mütter bei Tisch ihren Babys einen kleinen Happs des Familienessens gegeben, wenn es danach verlangte. Spätestens mit 1 Jahr sollte das Kind dann mit der Familie essen.

Was ist Zöliakie und wie kann ich das Risiko einer Zöliakieerkrankung mindern?

Unter Zöliakie und Sprue versteht man eine Unverträglichkeit gegenüber dem in Getreide enthaltenen Kleber-Eiweiß Gluten. Hierbei handelt es sich um eine lebenslange chronische Erkrankung des Dünndarms. Gluten ist in Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer enthalten. Ersatzprodukte sind Mais, Hirse, Reis, Buchweizen, Amaranth, Quinoa und Kartoffeln (Stärke). Klassische Symptome für eine Erkrankung sind starke Bauchschmerzen und Durchfall. Früher wurde zwischen Zöliakie und Sprue unterschieden – je nachdem, ob die Erkrankung im Kindes- oder Erwachsenenalter auftrat. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann eine Einführung von glutenhaltigen Getreidesorten zwischen dem 4. und dem 6. Monat das Risiko für Zöliakie senken. Wechseln Sie bei den Getreideflocken für den Brei ab. Aber immer nur jeweils eine Sorte einführen. 

Kann mein Baby eine Laktoseintoleranz haben?

Laktose (Milchzucker) in der Muttermilch ist, wenn ausschließlich gestillt wird, für den Säugling das einzige Kohlenhydrat. Sie trägt dazu bei, den Stuhl von Stillkindern weich zu halten, weil sie leicht abführend wirkt. Muttermilch enthält viel mehr Lactose als Kuhmilch. In wirklich sehr, sehr seltenen Fällen kann sich in den ersten Lebenswochen eine Laktoseunverträglichkeit herausstellen. Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Der Kinderarzt kann das feststellen. In dem Fall muss auf laktosefreie Säuglingsnahrung bzw. Kost umgestellt werden. Generell müssen bei einer Laktoseintoleranz laktosehaltige Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Frischkäse oder Molke vermieden werden.

Darf ich in der Schwangerschaft chininhaltige Getränke trinken?

Chinin wird aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnen. Es ist bitter im Geschmack, hat fiebersenkende und schmerzstillende Eigenschaften und wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt. Tonic Water und Bitter Lemon sind chininhaltig. Schwangere sollten diese Getränke meiden, da Chinin anregend auf die Gebärmuttermuskulatur wirkt und so Wehen fördern kann. Chininhaltige Lebensmittel müssen gekennzeichnet werden.

Essen für Zwei?

Frauen sollten in der Schwangerschaft maximal 11-16 kg zunehmen. Während dieser Zeit benötigen werdende Mütter ein wenig mehr Energie, d. h. im 1. Trimester etwa 100 kcal mehr am Tag, im 2. Trimester 300 kcal mehr am Tag und im 3. Trimester insgesamt 400 kcal mehr am Tag. Wichtig ist jedoch vor allem, dass die Nährstoffspeicher der Schwangeren gut gefüllt sind, bzw. sie nicht geleert werden.  Überproportional steig vor allem der Bedarf an Folsäure, Vitamin B2, B6, A und an Zink, Eisen und Eiweiß.
Frauen, die voll stillen, benötigen 300-600 kcal mehr am Tag, ausgehend von einer Ausgangskalorienzufuhr von 2000 kcal. Überproportional steigt vor allem der Bedarf an: Vitamin C, B1 und B6, A und Zink. Mit zunehmendem Alter sinkt der Kalorienbedarf, auch in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Warum darf ich in der Schwangerschaft bestimmte Fischsorten nicht essen?

Durch die weitläufige Verschmutzung der Weltmeere sind viele Fischsorten mit Methylquecksilber belastet, das den Fetus schädigen kann. Verzichten Sie deshalb in der Schwangerschaft auf Thunfisch, Schwertfisch und Hai. Diese Tiere stehen als Raubfische am Ende der Nahrungskette und speichern mehr von den Schadstoffen. 

Warum darf ich keinen rohen Fisch wie Matjes oder Räucherlachs essen?

Roher Fisch, aber auch Kaviar, Sushi oder Austern, Rohwürste wie Mett und luftgetrockneter Schinken/Salami oder auch Rohmilchkäse kann Keime wie Listerien oder EHEC oder Toxoplamose enthalten. Pro Jahr sind 0,003 % aller Neugeborenen von Toxoplasmose betroffen und 0,005 %  von Listeriose. Diese Fälle lassen sich vermeiden, wenn werdende Mütter auf rohe tierische Lebensmittel verzichten. Zum Vergleich: 0,3 % aller Neugeborenen sind durch Alkoholkonsum der Mutter gehandicapt! Da lauert also die größere Gefahr.

Was ist DHA?

DHA (=Docosahexaensäure) ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die den Omega-3-Fettsäuren angehört. Sie spielt eine besondere Rolle bei der Entwicklung von z.B. Sehschärfe, Lern- und Merkfähigkeit. Fachgesellschaften raten zu einer Supplementierung in der Schwangerschaft mit 200 mg pro Tag. Säuglingsmilchnahrung wird derzeit mit DHA angereichert. Die Wirkung von DHA als Supplement ist aber nicht gesichert.

Was sagt der HB aus?

Dieser Wert misst den Eisengehalt des Blutes und wird während der Schwangerschaft routinemäßig untersucht. Bei einer Schwangeren ist ein Wert von mindestens 11 g HB wünschenswert, damit der Foetus genug Sauerstoff bekommt. Eisenreiche Kost verbessert den Wert.

Was ist EHEC?

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) wird durch Bakterien in rohen tierischen Lebensmitteln übertragen und ist für Schwangere, besonders aber Säuglinge gefährlich. Die Erkrankung kann zu Nierenversagen und damit zum Tod führen. Im Jahre 2012 wurde in Deutschland EHEC durch Sprossen übertragen, die in Ägypten durch Gülledüngung infiziert wurden.

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